Sonnen­verwöhntes Einfamilien­wohnhaus – in den 60ern wie heute

Manche Häuser altern nicht. Sie reifen. Dieses Einfamilienwohnhaus aus den 1960er Jahren ist so ein Fall. Ein Winkelbungalow in Hanglage, klar, zurückhaltend, sonnendurchflutet. Was damals modern war, ist es heute wieder – dank einer Architektur, die Maß hält, und einer behutsamen Weiterentwicklung über fast zwei Jahrzehnte.

Ein Blick zurück: Fertigstellung 1969

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UP TO DATE – in den 60ern wie heute

– Außen: zurückhaltender Winkelbungalow mit Flachdach
– Innen: edles, zeitgemäßes Finish mit Respekt vor dem Original

– Erdgeschoss in Massivbauweise
– Aufstockung in Holzständerbauweise

DAMALS (2006) – der erste Bauabschnitt

Als wir von Claudia Böhm_planteamB architekten dem Haus erstmals begegneten, lag es ruhig im Hang, im Speckgürtel von Darmstadt. Ein eingeschossiger, teilunterkellerter Flachdachbungalow aus den 1960er Jahren. Klar proportioniert, als Winkelbau ausgebildet, zur Straße hin zurückhaltend, fast scheu. Seine Stärke zeigte er erst im Inneren: eine geschützte Terrasse im Winkel, großzügige Fensterflächen, viel Licht – Sommer wie Winter.

Die beiden Riegel stehen in einem Winkel von über 90 Grad zueinander. Das ist kein Zufall, sondern Präzision. Die Sonne wird eingefangen, die Terrasse zum Mittelpunkt des Hauses. Nahezu alle Räume öffnen sich dorthin – mit Fenstern und Fenstertüren im Stil der 1960er: großzügig, aber nicht laut.

Für die junge Familie mit zwei Kindern war die Wohnfläche im Erdgeschoss bald zu knapp. Eine Aufstockung war nötig. Doch wie erweitern, ohne zu zerstören?

Die Antwort war Analyse statt Aktionismus. Der Grundriss erwies sich als nahezu perfekt. Also blieb das Erdgeschoss weitgehend unangetastet. Die Erweiterung wurde als eigenständiger Riegel ausschließlich auf den hinteren Baukörper gesetzt, zur Nordseite hin auskragend – leicht, präzise, klar.

Aus statischen Gründen fiel die Wahl auf eine Holzständerbauweise. Gemeinsam mit dem Bauherrn, selbst Bauingenieur, entstand eine ebenso anspruchsvolle wie elegante Lösung. Auch die Aufstockung erhielt ein Flachdach. Die Erweiterung bleibt als additiver Baukörper ablesbar. Alt und Neu ergänzen sich, ohne sich gegenseitig zu überlagern.

Im Erdgeschoss bleibt das Elternwohnen. Oben entsteht Raum für die Kinder: eigene Zimmer, eigenes Duschbad, dazu eine großzügige Dachterrasse auf dem Flachdach des Hauptbaukörpers. Der Blick reicht weit, das Licht bleibt. Ein Highlight: das Büro der Bauherren, spektakulär im auskragenden Gebäudeteil – scheinbar schwebend.

Hochwertige Materialien, raumhohe Blockzargentüren, Echtholzparkett, eine ablesbare Fuge zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss-Riegel und präzise Details unterstreichen die Leichtigkeit der Konstruktion. Die interne Erschließung bleibt zurückhaltend, fast selbstverständlich.

HEUTE - der zweite Bauabschnitt

Fast zwei Jahrzehnte später: Die Kinder sind groß, die Ansprüche andere. Was blieb, war die Qualität des Hauses. Was kam, war der Wunsch nach einem neuen Innenleben.

Gemeinsam mit Claudia Böhm_planteamB architekten wurde das Erdgeschoss in mehreren behutsamen Schritten neu gedacht. Nicht als Bruch, sondern als Weiterentwicklung. Der Ursprung blieb stets präsent:

  • Gebäudehülle und Fenster blieben erhalten
  • Der Grundriss wurde nicht verändert
  • Die separate Küche mit Durchreiche blieb
  • Der Kaminofen mit Schieferverkleidung blieb
  • Maßgefertigte Einbauten aus dem ersten Bauabschnitt blieben

Und dennoch wurde alles neu.

Ein differenziertes Farb- und Materialkonzept gibt dem Haus heute zusätzliche Tiefe. In den öffentlichen Bereichen dominieren helle, natürliche, weiche Töne: Beige, Gold, Licht, Sonne. Eine subtile Reminiszenz an die 1960er – zeitlos, nicht nostalgisch.

Die privaten Rückzugsräume setzen bewusst Kontraste: dunkler, ruhiger, fast höhlenartig. Schlafzimmer und Bad werden zu Orten der Erholung. Tapeten bekennen Haltung. Sie schaffen Atmosphäre, Nähe, Identität – im Wohnraum wie im Schlafzimmer.

Festeinbauten sorgen für Klarheit und Ordnung. Vorhänge, Teppiche und Textilien für Wärme und Akustik. Im Wohnzimmer liegt eine cremefarbene Breitcord-Couch unter einer 2,50 Meter großen Ringleuchte – wie eine Wolke im Raum. Weich, umhüllend, konsequent.

Die Sanitärbereiche spielen mit Proportionen:

Das kleine Bad wirkt großzügig durch wenige, hochwertige Materialien. Raumhohe Glasfliesen in grünem Marmordesign setzen ein Statement. Das Gäste-WC wird durch Licht, Tapete und Längsform zur inszenierten Raumsequenz –der Gang wird zur kleinen Abenteuerreise.

Der lange schmale Flur zum Privatbereich wird durch einen durchgehenden Wandschrank und ein begleitendes LED-Band noch unterstrichen –  nur unterbrochen von einer Festverglasung. Licht ist hier kein Thema – es ist überall.

Alle Fenstertüren führen auf die geschützte Terrasse. Früh im Jahr nutzbar, lange nutzbar, uneinsehbar. Ein Outdoor-Wohnraum, eingebettet in die Natur. Rückzugsort und Bühne zugleich.

Fazit in Stichworten

  • Sensible Weiterentwicklung eines 1960er-Jahre-Bungalows
  • Aufstockung mit klar ablesbarer, leichter Architektur
  • Erhalt und Stärkung eines nahezu perfekten Grundrisses
  • Nachhaltige Sanierung auf EnEV-Standard
  • Innenarchitektur als feinsinniges Upgrade statt radikalen Eingriffs
  • Ein Haus, das zeigt, welches Potenzial im Bestand steckt

 

Dieses Projekt beweist: Verstaubte Immobilien brauchen keinen Abriss. Sie brauchen Haltung, Präzision und einen klaren architektonischen Blick.

Wir von Claudia Böhm_planteamB architekten freuen uns auf Ihre Geschichte – und darauf, sie gemeinsam weiterzuschreiben.

Projektdaten:

#Raumwunder
#DachausbauMitAussicht
#FarbeImSpiel
#ArchitekturMitCharakter
#AufstockungRoßdorf

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